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Die Hitze der letzten Tage und die seit Monaten andauernde Trockenperiode wären ein Anlass, darüber zu schreiben, wie großartig Kleingärten doch sind. Grüne Oasen, die aufgeheizte, oberflächenversiegelte Städte runterkühlen. Denn gerade jetzt freut man sich darüber, laue Abende auf der Parzelle verbringen zu können, statt in stickigen Stadtwohnungen zu versauern. Eigentlich sind das die schönsten Momente im Kleingarten: Sternenhimmel, schummriges Kerzenlicht, lauschige Musik im Hintergrund - und im Idealfall auch nur ein sehr entferntes Rauschen von Autoverkehr.

Man kann garnicht aufhören, wenn man anfängt das Loblied auf Schrebergärten zu singen: Ob es nun der eigene Ertrag an Bio-Erzeugnissen ist. Oder dass Schrebergärten ein Paradies für Kinder sind, pädagogisch wertvoller als Glotze und Smartphone zusammen. Und nicht nur naturnahe Gärten sind ein Refugium für manch selten gewordene Tierart. Die kleinteilige Vielfalt der Parzellen bietet mehr "Natur" als manch durchgestyltes und pflegeleichtes städtisches Grün.

Gartenparty
Coole Party @ Schrebergarten by night

Feiern kann man da auch, mit Freunden, Familie oder sogar öffentlich, wie z.B. im Mai 2015, als in Gaardener Gärten ein "KulturNatur-Festival" mit Musik, Lesungen, Speis und Trank stattfand.

"... gemeinsam Verantwortung für Kiel übernehmen und Politik machen sozial, nachhaltig innovativ und weltoffen": Knapp zwei Monate nach der Kommunalwahl haben SPD, Grüne und FDP in Kiel einen 35-seitigen Entwurf für einen Kooperationsvertrag für die nächsten 5 Jahre fertig, über den am kommenden Wochenende die jeweiligen Parteigremien entscheiden sollen. Was sind die Ergebnisse hinsichtlich Südspange, Mobilität allgemein und Kieler Stadtgrün? Zusammengefasst findet man wenig Überraschendes, Probleme mit der deutschen Grammatik und möglicherweise einen Hauch von Perestroika.

Ein paar Worte zur Ausgangslage:

"Stadtbahn einstimmig beschlossen":

Nein, das ist leider (noch) keine Überschrift aus den Kieler Nachrichten. Das viel kleinere Regensburg macht stattdessen dieser Tage vor, was geht. Nach über 50 Jahren Abstinenz wird dort die Schiene mit zunächst zwei Linien ein Comeback erleben. Dabei lohnt sich der Blick nach Süden nicht nur auf Deutschland (bzw. Bayern) bezogen. Sondern auch innerhalb Kiels ist der Süden interessant, wenn wir über nachhaltige Mobilität sprechen.

Doch zunächst ein paar Details zur Regensburger Planung:

Die "alte" Straßenbahn war dort schon 1964 eingestellt worden (Kiel: 1985). Ähnlich wie in Kiel wurde seit den 90er Jahren über eine mögliche neue Bahn diskutiert. Ursprünglich wollte man mit mehr Linien starten. Doch von den Prognosen her wären mehr als zwei Linien nicht ausreichend ausgelastet, um "förderfähig" zu sein. Und ohne Förderung ist so eine Bahn für eine Stadt alleine nicht bezahlbar.

Nettes Symbolbild mit CC0-Lizenz (Tabor/Pixaby): Straßenbahn Erfurt

In einer Studie (.pdf) wurden Kosten und Leistungsfähigkeit von einem erweiterten Bussystem und einer Schienenlösung gegenübergestellt, wie ein attraktiverer ÖPNV im Jahr 2030 aussehen könnte, wenn man die viel zu vielen Autos aus der Stadt bekommen will. Ergebnis, grob gesagt: Ein Bussystem wäre billiger zu haben, aber wäre nicht leistungsfähig genug. Eine Tram wäre im pessimistischten Szenario "so gerade eben" volkswirtschaftlich vertretbar, was Nutzen und Kosten angeht. Aber dafür wäre sie leistungsfähig genug.

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Ich werbe dafür, dass Kiel eine Stadtbahn bekommt - unter anderem in sozialen Netzwerken wie Facebook. Es gibt eine erdrückende Menge an guten Argumenten, warum Kiel einen Systemwechsel weg von überlasteten Buslinien hin zu einem Schienensystem angehen sollte. Mit Zahlen und positiven Wirtschaftlichkeitsberechnungen könnte man da förmlich um sich werfen. Doch das "Argument", das mir regelmäßig die meisten "Likes" bringt, ist:

"Bald ist Kiel die letzte Landeshauptstadt in Deutschland, die weder Tram, Stadtbahn oder U-Bahn hat. Wiesbaden plant nämlich auch ganz konkret eine Stadtbahn."

unter den wolkenWer sich bei Holstein Kiel in den vergangenen Jahren dafür stark gemacht hat, dass für die Erfüllung von Lizenzauflagen Steuermittel in das stadteigene Stadion investiert werden müssen, hat auch gerne damit argumentiert, dass Schleswig-Holstein einen Zweitligisten brauche. Und wenn ich ganz persönlich alleine darüber zu entscheiden hätte, ob sich die Stadt Kiel über 100 Generationen verschulden sollte, weil Holstein für die Champions League ein neues Stadion bräuchte: Natürlich würde ich als Holstein-Fan Ja sagen. Warum sollte sich Kiel nicht mit Madrid, London oder Rom messen, wenn wir schon San Francisco als Partnerstadt haben?

Vermutlich ist es eine gute Sache, dass ich das nicht alleine zu entscheiden hätte.

Das wirklich am häufigsten gehörte oder gelesene "Argument" für den Erhalt des Verkehrslandeplatzes Holtenau ist, dass zu einer Landeshauptstadt ein Flughafen gehöre. Die Kampagne der Befürworter*innen heißt auch entsprechend "Wir bleiben Stadt". So nach dem Motto: Ohne Landebahn ist Kiel keine richtige Stadt mehr, geschweige denn vollwertige Landeshauptstadt.

"Ist doch nur eine Kommunalwahl!" - Von wegen. Kaum eine Wahl hat sonst so einen Einfluss auf das, was im direkten Umfeld geschieht. Nur 37,2 Prozent Beteiligung bei der letzten Wahl heißt: da ist noch viel Luft nach oben. Das mindeste, was man tun kann, wenn man Südspange und Ostring II nicht möchte, ist Parteien zu wählen, die diese Planungen nicht unterstützen - und idealerweise auch an Alternativen wie Stadtbahn, massivem Ausbau des Radverkehrs oder bezahlbarem und digital weiterentwickeltem ÖPNV arbeiten.

Was heißt das konkret?

sueden ohne spange kleintalk walk

Walk around the Koppel: Die neu gegründete Initiative "Süden ohne Spange" lädt für ein erstes Kennerlernen zu einem Spaziergang in den von der Südspange betroffenen Teil des Grüngürtels ein.

Treffpunkt wird am Samstag, den 28.4.18 um 14 Uhr unter der Brücke der B404 am Meimerdorfer Moor sein (Nächste Bushaltestelle: Karlsburg). Die Dauer wird mit Pausen 2-3 Stunden sein. Die geplante Strecke ist leider nicht barrierefrei.

Eine Absage bei zu schlechtem Wetter wird rechtzeitig über die Südspangen-Facebook-Gruppe und Bielenbergkoppel.de (Website + Twitter) bekannt gegeben.

 

"Sollen die doch lieber mal beim Hafen messen!" - Kreuzfahrtschiffe und Fähren im Kieler Hafen haben uns die schlechte Luft am Theodor-Heuss-Ring beschert. Kiel im Winter 2017/18.

Dass die Seehafen Kiel GmbH in der letzten Woche ein Umweltkonzept unter dem Namen "Blue Port Kiel" vorstellte, war aber weniger eine Reaktion auf betrogene Wut-Diesler, die in sozialen Netzwerken ihrem Ärger Luft machten. Sondern ein Auftrag der Kieler Ratsversammlung vom September 2017.

Und selbstverständlich gibt es allen Grund dafür, bessere Umweltstandards bei den Dreckschleudern zur See und besonders am Kai einzufordern. Nur hat das wenig mit dem Theodor-Heuss-Ring zu tun. Oder in den Zahlen ausgedrückt, die man in der 56-seitigen Broschüre finden kann: Etwa 500 Fahrten täglich - von über 100.000 - vorbei an der Luftmesstation gehen auf das Konto von "hafenrelevanten Verkehren". 5 Promille. Allen Gerüchten zum Trotz wurden bisher auch weder die MSC Orchestra noch die Color Magic beim Fußgänger-Überweg am Krusenrotter Weg gesichtet. Ehrlich.

Doch für das Thema eigentliche Thema dieser Seite - die Südspange - ist es spannend, was in diesem Konzept steht. Oder noch besser: was NICHT darin steht.

Kieler Förde bei Nacht

"Decke auf, wo Atmen krank macht" - Die mittlerweile weithin bekannte Deutsche Umwelthilfe (DUH) rief im Januar Menschen in ganz Deutschland auf, Orte und Straßen zu benennen, an denen eigene Stickoxid-Messungen durchgeführt werden sollten. Insgesamt 500 Messstellen mit sogenannten Passivsammlern der DUH sollten so im ganzen Bundesgebiet in erster Linie Orte erfassen, die bisher durch das grobe Raster amtlicher Messungen gefallen sind. Es gab aber auch Messpunkte an Straßen, wo schon gemessen wurde. In Kiel waren das der Ziegelteich und die Alte Lübecker Chaussee, wo vom 1. bis zum 28. Februar Messröhrchen hingen.

Zwei Passivsammler der DUH in der Alten Lübecker Chaussee im Februar

Auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut. Aber der Grundstein für den Widerstand gegen die Schnellstraßenpläne im südlichen und östlichen Grüngürtel Kiels ist schon einmal gelegt.

treffen suedspangeAm vergangenen Mittwoch gab es ein erstes Treffen von Interessierten im Vereinsheim des Kleingartenvereins Gaarden-Süd, der bei arktischen Außentemperaturen freundlicherweise einen Raum zur Verfügung stellte. Geladen hatte der Betreiber von bielenbergkoppel.de. Gartenpächterinnen, die sich über die Seite gemeldet hatten, aktive Bewohner*innen des Grüngürtels und Menschen mit Bezug zum Naturschutz, die sich teilweise auch schon in der Auseinandersetzung um den "Prüner Schlag" eingebracht hatten.