In Stichworten:

  • Die geplante Südspange löst keine Verkehrsprobleme, sondern verlagert und verschärft diese.
  • Sie wirkt sich kontraproduktiv auf den Klimaschutz aus
  • Ein besonders schützenswerter Teil des Kieler Grüngürtels wird zerstört - für immer.
  • Viele KleingärtnerInnen verlieren ihre Gärten, ein Erholungsraum geht verloren.
  • Es gibt bessere Alternativen, die Priorität haben sollten.

Im Einzelnen:

Die Südspange ist keine Lösung

Der Theodor-Heuss-Ring macht bundesweit Schlagzeilen wegen drohender Fahrverbote. Anwohner, nicht nur im Kieler Süden, leiden unter Lärm und Abgasen. Pendler stecken in verstopften Straßen fest. Die größten Probleme würden durch die Südspange nicht gelöst, sondern höchstens woanders hin verlagert. Und man schafft sogar Anreize für mehr Autoverkehr. Wer als Arbeitnehmerin zu Kiels größtem Gewerbegebiet in Wellsee pendelt oder wer im wachsenden Stadtteil Neumeimersdorf wohnt, wird durch eine neue Schnellstraße in Reichweite kaum animiert, in ein KVG-Monatsticket statt in ein eigenes Auto zu investieren.

Zu Recht heißt es: "Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten". (KN 3.5.2016)

Laut Prognosen würde beispielsweise die Alte Lübecker Chaussee 40% Verkehr im Jahr gegenüber 2013 haben, wenn die Südspange 2025 fertig wäre. Die Kieler Abgas- und Lärmhölle, der Theodor-Heuss-Ring westlich des Barkauer Kreuzes, noch einmal 25% mehr.

Klimaschutz? Thema verfehlt!

Im Dezember 2015 wurde in Paris ein völkerrechtlich bindendes Abkommen zur Reduzierung von Treibhausgasen verabschiedet, das von mittlerweile 145 Staaten ratifiziert wurde. Auf lokaler Ebene will Kiel bis zum Jahr 2050 den Ausstoß von Treibhausgasen im Vergleich zu 1990 um mindestens 95% reduzieren. Im kürzlich veröffentlichten "Masterplan Mobilität" der KielRegion heißt es zu den Klimaschutzzielen, dass Kiel den Autoverkehr bis 2050 um 40% (gegenüber 2015) reduzieren müsse. Wenn man diese Ziele ernst nimmt, dann passen neue Straßen nicht dazu. Weder die Südspange, noch der Ostring II.

Ein besonders schützenswerter Teil des Kieler Grüngürtels - sinnlos zerstört?

Für das Gebiet der geplanten Südspange, aber ganz besonders für den Bereich des geplanten Autobahnkreuzes Karlsburg am Viehburger Gehölz gilt: Etliche Tiere von den "Roten Listen" gefährdeter Arten in Schleswig-Holstein sind hier heimisch. Dokumentiert und/oder teilweise seit vielen Jahren im Kleingartengebiet bekannt.

Vom Aussterben bedrohte Kreuzottern, stark gefährdete Ringelnattern oder Zauneidechsen, dazu noch etliche Arten von der sogenannten "Vorwarnliste" wie Rotmilan oder Grünspecht. Dazu noch unzählige Arten, die laut Naturschutzgesetz "besonders oder streng geschützt" sind wie Fledermäuse, Hornissen oder Sperber. Für den "Prüner Schlag" wurden im Zusammenhang mit dem Bau von Möbel Kraft mindestens 8 Fledermausarten und 59 Brutvogelarten nachgewiesen.

Es ist wahrscheinlich, dass der nun bedrohte Teil des Kieler Grüngürtels noch sensibler ist.

Denn was für den betroffenen Kleingartenverein eine finanzielles Fiasko ist, ist ökologisch ein absoluter Glücksfall: Etliche Gärten im Bereich des geplanten Autobahnkreuzes sind seit vielen Jahren nicht verpachtet und werden es vermutlich auch nie wieder sein. Die Natur hat sich diesen Bereich längst zurück erobert. Die Nähe zum Meimersdorfer Moor und zum Viehburger Gehölz tut ihr übriges.

Man kann nur an alle Kielerinnen und Kieler, denen die Umwelt am Herzen liegt, appellieren:
Helft mit, diesen Wahnsinn zu stoppen !!!

Kleingärten und Erholungsraum bewahren

Über 300 Gärten werden wieder wegfallen. Betroffen sind hunderte Kielerinnen und Kieler und deren Angehörige und Freunde. Wer einen Schrebergarten hat, gehört in der Regel nicht zu den Wohlhabenden, die sich einen eigenen Garten leisten können. Es sind häufig diejeingen, die in Mietshäusern an lauten Straßen wohnen, wie z.B. der Alten Lübecker Chaussee. Es ist ein Hohn, dass von Seiten der Befürworter mit einer angeblichen Entlastung von Anwohnern argumentiert wird, wenn im (realen!) Extremfall Kleingärtner für die Südspange nicht nur ihre langjährige Parzelle verlieren, sondern zusätzlich auch noch den erhöhten Verkehr durch die Südspange ertragen sollen.

Im beschlossenen Kleingartenkonzept der Stadt Kiel wird gerade für den Bereich der westlichen Südspange die Errichtung eines "Kleingartenpark am Hörn-Eidertal-Wanderweg" als Maßnahme vorgeschlagen. Der neue Wanderweg, der vom Tonberg längs des ehemaligen Gütergleises Richtung Meimersdorfer Moor und Eider führt, gehört sicherlich zu den schönsten Wegen vom Kieler Zentrum ins Grüne. Das Gebiet um das Kronsburger Gehege und dem Regenrückhaltebecken bieten einen wundervollen Rahmen für ruhige Touren per pedes oder mit dem Rad. Mit der Südspange würde die Stadt Kiel gegen ihre eigenen Konzepte arbeiten. Oder auf gut deutsch: Was die Hände aufbauen, wird mit dem Arsch wieder eingerissen.

Die Alternativen sind besser als die Südspange

Es gibt viel Potenzial, im Sinne des Klimaschutzes und des "Masterplan Mobilität" Autoverkehr zu reduzieren. Investitionen in Tram, Busse, bessere Radwege, Car-Sharing, kombinierten Verkehr: Das sind alles Maßnahmen, die für weniger Autos sorgen. Und selbst die von den Gutachtern untersuchten Varianten der Anbindung der A21 an Kiel, die ohne ein Südspange auskommen, würden bei besserer Umweltverträglichkeit insgesamt gleich gut (bzw. gleich schlecht) bewertet.

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